Gustavo Prato
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Januar bis April 2027: Gustavo Prata, *1987, São Paulo

«In meiner künst­le­ri­schen Praxis unter­suche ich, wie Narra­tive erzeugt, vermit­telt und verbreitet werden sowie welche mate­ri­ellen und ideo­lo­gi­schen Wirkungen sie entfalten. Zu diesem Zweck ist die gedruckte Zeitung zu einem zentralen Bestand­teil meiner Arbeit geworden.» 

Gustavo Prata – «The Weight of Paper»

Wie entstehen die Geschichten, durch die wir unsere Gegen­wart verstehen? Wer bestimmt, was wichtig ist – und wie ein Ereignis erzählt wird?

Der brasi­li­a­ni­sche Künstler Gustavo Prata beschäf­tigt sich mit der Entste­hung und Verbrei­tung öffent­li­cher Narra­tive. Sammeln, Ordnen und Archi­vieren gehören dabei zu seinen zentralen künst­le­ri­schen Methoden. Als Ausgangs­ma­te­rial verwendet er Dinge aus dem Alltag: Zeitungen, Zeit­schriften, Verpa­ckungen oder Werbe­druck­sa­chen. Daraus entstehen Collagen und raum­grei­fende Instal­la­ti­onen. 

Während seiner Resi­dency in der Villa Sonnen­berg entwi­ckelt Prata das Projekt «The Weight of Paper». Dafür sammelt und analy­siert er über einen längeren Zeit­raum die Aargauer Zeitung und die Neue Zürcher Zeitung. Er unter­sucht, wie dieselben Ereig­nisse durch Schlag­zeilen, Sprache, Bilder, Grafiken und redak­ti­o­nelle Gewich­tungen unter­schied­lich vermit­telt werden. Ihn inter­es­siert dabei nicht die Suche nach einer einzigen Wahr­heit, sondern das Neben­ein­ander verschie­dener Perspek­tiven und Erzäh­lungen – und die Frage, wie daraus gesell­schaft­liche Mythen entstehen. 

Aus dem gesam­melten Mate­rial entstehen neue Arbeiten und zugleich ein visu­elles Archiv der Gegen­wart. Eine weitere Ebene erhält das Projekt durch den Wandel der Medi­en­welt: Die gedruckte Tages­zei­tung wird zuneh­mend von digi­talen Infor­ma­ti­ons­formen verdrängt. Was heute alltäg­li­ches Wegwerf­pro­dukt ist, könnte eines Tages zum Relikt eines vergan­genen Infor­ma­ti­ons­sys­tems werden. 

Lebens­lauf

Gustavo Prata, geboren 1987 in São Paulo, Brasi­lien, arbeitet mit Collage, Zeich­nung und Instal­la­tion. Seine künst­le­ri­sche Praxis kreist um Narra­tive, Konsum, Aneig­nung und Vergäng­lich­keit. Ausgangs­punkt sind häufig gesam­melte Alltags­ma­te­ri­a­lien wie Zeitungen, Verpa­ckungen, Maga­zine und Werbe­druck­sa­chen. 

Prata studierte Social Commu­ni­ca­tion/Marke­ting an der ESPM in São Paulo und absol­vierte ein post­gra­du­ales Studium in Graphic Design an der Miami Art School. Ergän­zend studierte er Kunst­ge­schichte und zeit­ge­nös­si­sche sowie latein­ame­ri­ka­ni­sche Kunst an verschie­denen Insti­tu­ti­onen in São Paulo und Barce­lona. 

Zu seinen Einzelausstel­lungen zählen «Echoes» in der Clima Gallery, Porto Alegre (2026), «Blis­ters» bei Soda Arte, São Paulo (2024), «You don’t form the crazy sentences that you culti­vate out there» in der Eduardo Fern­andes Gallery, São Paulo (2024), «Beyond the object» in der Karla Osório Gallery, Brasília (2024), sowie «Yester­day’s Amal­gams» im Ordovás Cultural Center (2022). Seine Werke befinden sich unter anderem in öffent­li­chen Samm­lungen in Rio de Janeiro, São Bernardo do Campo und Caxias do Sul. 

Prata nahm an mehreren Künst­ler­re­si­denzen in Brasi­lien teil, darunter Fonte Resi­dency, Karla Osório Gallery, Kaaysá Art Resi­dency, São João Resi­dency, Vera Buil­ding und Hermes Visual Arts. 

https://www.gusta­vo­prata.com/

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