September bis Dezember 2027: Hagar Schuringa
«Mich interessiert, wie diese Erzählungen aus der genauen Beobachtung von Naturphänomenen entstehen, wie sie mit Prozessen wie Gefrieren und Auftauen zusammenhängen und wie sie bis heute unsere Wahrnehmung von Landschaft und Klima prägen.»
Hagar Schuringa – Mythen von Wasser und Eis
Wie entstehen Mythen aus Landschaften? Und was geschieht mit diesen Erzählungen, wenn sich auch die Natur verändert?
Die niederländische Künstlerin Hagar Schuringa beschäftigt sich mit dem Wandel von Landschaft und der Frage, wie Zeit darin sichtbar wird. In Zeichnungen, Fotografien, Installationen und Texten untersucht sie natürliche Prozesse, die unsere Umgebung kontinuierlich formen – von Erosion und Gestein bis zum langsamen Rückzug von Gletschern. Dabei interessiert sie besonders das Spannungsfeld zwischen der Verletzlichkeit und der gewaltigen Kraft der Natur.
Während ihrer Residency in der Villa Sonnenberg richtet sie den Blick auf Mythen, Sagen und Volksglauben rund um Wasser und Eis. Ausgangspunkt sind Geschichten über Flüsse und Quellen, Berggeister und Gletscherlandschaften. Auch die Walliser Sagengestalt des Rollibocks dient ihr als Ausgangspunkt. Schuringa fragt danach, wie solche Erzählungen aus der Beobachtung von Naturphänomenen entstehen und wie sie Vorstellungen von Veränderung, Verschwinden und Erneuerung vermitteln.
Das Thema knüpft unmittelbar an ihre bisherigen Arbeiten an. Für die Serie «Miage» besuchte sie 2024 die Gletscher Miage, Mer de Glace und Glacier des Bossons. Historische Fotografien und Postkarten verband sie mit eigenen Aufnahmen zu neuen, vielschichtigen Landschaftsbildern. So werden Veränderungen sichtbar, die sich in der Natur oft so langsam vollziehen, dass sie erst im Rückblick wahrnehmbar werden.
In Lenzburg entwickelt Schuringa grossformatige, geschichtete Zeichnungen, in denen traditionelle Überlieferungen auf gegenwärtige Erfahrungen des Klimawandels treffen. Sie interessiert, wie Mythen sich verändern und weitererzählt werden, wenn sich auch die Landschaft wandelt.
Lebenslauf
Hagar Schuringa ist eine niederländische bildende Künstlerin und lebt und arbeitet in Amsterdam. 2021 schloss sie ihr Studium an der Gerrit Rietveld Academie ab. Ihre künstlerische Praxis umfasst Zeichnung, Fotografie, Installation und Prosa. Im Zentrum steht die Frage, wie Zeit und Veränderung in natürlichen Landschaften sichtbar werden.
Ihre Arbeiten führten sie unter anderem in die Alpen und an den Hardangerfjord in Norwegen. Während einer Residency bei KH Messen im Hardangergebiet entstand die Werkgruppe «LANDIS», die Spuren der eiszeitlichen Vergangenheit in der heutigen Landschaft untersucht. Die Arbeiten wurden unter anderem bei Unfair Amsterdam gezeigt.
Die Werkgruppe «Pink Noise», entstanden während einer Residency am Frans Masereel Centrum, war 2023 in der Galerie Caroline O’Breen zu sehen und wurde mehrfach ausgezeichnet. 2025 präsentierte Schuringa ihre Gletscherarbeiten bei Prospects, Art Rotterdam.
Neben ihrer eigenen Praxis engagiert sie sich im selbstorganisierten Kunstraum Kate in Amsterdam, dessen Programm sie seit 2023 gemeinsam mit anderen Kunstschaffenden gestaltet.
Website: www.hagarschuringa.nl



